Nachhaltige und konventionelle Lieferketten

Made in Germany ! Ein Gütesiegel, welches Vertrauen weckt. Doch was ist wirklich „Made in Germany“ und was nicht. Auch die Süddeutsche Zeitung stellt fest: „Wo Deutschland draufsteht, ist heute Globalisierung drin. Da werden Komponenten aus dem Ausland zugekauft, da werden Fertigungsprozesse in Ländern mit niedrigeren Löhnen verlagert.“ Prinzipiell kein Problem und im Sinne der zunehmenden Internationalisierung, doch was bedeutet dies für die Einhaltung ethischer, ökologischer oder qualitativer Standards? Wo fängt die Lieferkette an und wo hört sie auf? Produkte bestehen selten aus nur ein oder zwei Bestandteilen und werden oft aus verschiedenen Teilen der Welt zusammengekauft, um wiederum in einem anderen Teil der Welt zusammengebaut zu werden.
Eine Jeans zum Beispiel legt knapp 60.000 km im Lauf ihres Lebens zurück und wird zwischen Amerika, Europa und Asien mehrmals hin und her geschickt. Somit ergibt sich eine Komplexität der Lieferkette, die für den Konsumenten nicht mehr zu durchschauen ist und auch so manch ein Unternehmen an seine Grenzen stoßen lässt. Auch Pietra Rivoli, Professorin an der Georgetown University, kritisiert in Ihrem Buch „The Travels of a T-Shirt in the Global Economy“ (2005) die Intransparenz der Lieferkette:

“As the economy gets more advanced, we have less and less idea of where and how things are produced.”

Doch wie schafft man es 60.000 km zu kontrollieren? 60.000 km bedeutet über die Ländergrenzen hinweg zu denken und die Lieferkette aller Produktbestandteile, sowohl der der Haupt- als auch der der Vorprodukte, zu überwachen. Nachhaltig heißt aber auch, sich über die Weiterverwendung, also die Entsorgung, Gedanken zu machen. Was heute gelebt wird ist aber leider reine Gewinnmaximierung ungeachtet der eventuellen Schäden, die sowieso erst in der Zukunft richtig zur Deutung kommen. Ganz nach Adam Smiths Prinzip, dass die Summe der Eigeninteressen zum Optimum im Markt führt. Doch dass die unsichtbare Hand versagt hat und Eigeninteressen zu Übertreibungen und Ungleichheiten führen, mussten wir schmerzlich in der Finanzkriese feststellen. Fast scheint es so, als hätten wir nichts gelernt, doch ganz so negativ kann man es dann doch nicht sehen.
In den letzten Jahren hat das Interesse an Nachhaltigkeit stark zugenommen und von Unternehmen wird eine Berichterstattung über nachhaltigkeitsrelevanten Themen erwartet. Ganze Beratungsfirmen widmen sich dem Thema CSR (Corporate Social Responsibility) und unterstützen Unternehmen neben den profitorientieren Zielen der Vergangenheit nun auch die moralischen Ziele der Zukunft zu implementieren. Um dies zu gewährleisten, muss zuerst ein Wertemanagement eingeführt werden. Am Anfang steht hier zuerst die Erstellung eines Verhaltenskodex, der sich an Leitlinien des Unternehmens, Gesetzen, Ethikstandards u.ä. orientieren kann. Als nächster Schritt muss dieser Kodex innerhalb des Betriebes (Arbeitsverträge) aber auch auf externe Ebene (z.B. Lieferantenscreening) kommuniziert werden (Prof. Dr. Josef Wieland, 2004:7 ff.). Da sich neue Ziele und Regularien insbesondere im globalen Kontext nicht immer einfach und schnell umsetzten lassen, müssen sie ständig weiterentwickelt und kontrolliert werden.
Neben Richtlinien zu Arbeitsbedingungen sind ökologische Fragen, wie Nutzung von Chemikalien, Wasserverbrauch oder CO2 Ausstoß immer bedeutender und müssen genauso kontrolliert werden wie Arbeitsschutzbestimmungen. Ein Beispiel für verantwortungsvollen Umgang mit der Natur ist „3 Freunde“, ein Unternehmen, das sich der Herstellung klimaneutraler Kleidung verschrieben hat.
Durch emissionsarme Arbeitsvorgänge entlang der Lieferkette, wird der CO2 Ausstoß möglichst gering gehalten. Da bei der Produktion Emissionen nicht gänzlich vermieden werden können, findet ein aktiver CO2 Ausgleich statt. Mit Hilfe von Instituten wird der sogenannte Carbon Footprint erstellt, welcher die Menge an CO2 identifiziert und es „3 Freunde“ ermöglicht, diese Menge an CO2 durch die Unterstützung von Klimaprojekten und den Kauf von CO2 Zertifikaten zu kompensieren. Das heißt, die gleiche Menge an CO2, welche die Produktion der Textlilien erzeugt, wird durch die Unterstützung der Projekte gleichzeitig vermieden. Dieser Ausgleich ist ein bereits bekanntes Mittel, welches auch schon andere Unternehmen, wie z.B. Flixbus, Canon oder der Logistikdienstleister DB Schenker nutzen.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-made-in-germany-label-ohne-wert-1.1743839
http://www.klima-tour.de/klamotten-klima.html
http://www.boell-bw.de/fileadmin/Heinrich-Boell-Stiftung/2004/04-Einf_hrungsvortrag.pdf

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