Der Weg von Biobaumwolle bis zum fertigen T-Shirt!

Wer ein neues Shirt braucht, geht einfach in ein Geschäft, sucht sich was Passendes aus, kauft es und geht wieder nach Hause. Aber habt ihr euch schon mal gefragt, wie ein T-Shirt überhaut hergestellt wird? Am Besten sogar nachhaltig? Hier wollen wir es kurz erklären. Um dies zu tun hat uns Stefan Niethammer von „3Freunde“ besucht, ein Unternehmen, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, nachhaltige T-Shirts zu produzieren.

Bis ein T-Shirt bei uns im Laden landet, durchlauft es mehrere Produktionsstufen. Alles fängt bei der Baumwolle an. Hier gibt es bereits Unterschiede hinsichtlich ökologischer und sozialer Standards. „3Freunde“ hat sich für Fair Trade Biobaumwolle entschieden.

1. Anbau Fair Trade Baumwolle

1.1. Nutzung von Pestiziden

Da es sich bei „3Freunde“ um Biobaumwolle handelt, werden beim Anbau der Baumwolle keine Pestizide und Kunstdünger benutzt. Stattdessen wird natürlicher Dünger – also Dung — genutzt. Die Tierhaltung ist daher ein wichtiger Bestandteil des Biobaumwollanbaus und zudem eine weitere Einkommensquelle für die Bauern (z.B. durch den Verkauf von Milch). Anstelle von Pestiziden kommen Aromafallen und Netze zum Einsatz. Zusätzlich werden zwischen den Baumwollsträuchern andere Pflanzen gepflanzt, die für Schädlinge anziehender sind und somit befallen werden. Dadurch werden die Baumwollpflanzen verschont und auch die Bauern kommen nicht mit Pestiziden in Kontakt. Bei konventioneller Baumwolle werden Pestizide in den meisten Fällen ohne die notwendigen Atemschutzvorrichtungen versprüht, was bei vielen Bauern Lungenerkrankungen und -schäden verursacht. Diese Krankheiten, die durch die Atemluft, aber auch durch die Rückstände im Wasser verursacht werden, beeinträchtigen nicht nur die Bauern, sondern auch ganze Dorfgemeinschaften.

Zudem bleiben Pestizide lange im Boden zurück — das Trinkwasser wird verseucht und in der Regenzeit sind sogar Flüsse und entfernte Gebiete betroffen, die wiederum dieses Wasser zur Bewässerung ihrer Felder nutzen. Ein weiteres Problem ist die Eutrophierung, also ein vermehrtes Algenwachstum in den Flüssen und Meermündungen. Durch den vermehrten Algenbestand sterben auch mehr Algen ab und verbrauchen beim Zersetzungsprozess Sauerstoff. Die Folge davon ist nicht nur Artensterben, sondern auch eine Störung des ökologischen Gleichgewichts. Desweiteren verbraucht die Herstellung von Pestiziden und künstlichen Düngemittel sehr viel Energie; Grundbestandteile der Chemikalien sind oftmals Erdölprodukte.

1.2. Verkauf der Baumwolle

Die Baumwolle wird — anders als bei konventioneller Baumwolle — durch eine Kooperative verkauft. Dadurch verfallen die Bauern nicht in Abhängigkeit von einem einzelnen Händler, der einen zu niedrigen Preis für die Baumwolle zahlt. Der Preis richtet sich zwar nach dem Weltmarktpreis, doch haben einzelne Bauern nicht die Möglichkeit, ihre Baumwolle zu transportieren und selbst auf Märkten zu verkaufen und sind somit von einem Zwischenhändler abhängig. Fair Trade Bauern können ihre Baumwolle zum Weltmarktpreis verkaufen. Zusätzlich verpflichten sich die Käufer zur Zahlung eines Mindestpreises, der bei zu niedrigem Marktpreis gezahlt wird. Der Weltmarktpreis wird nämlich von amerikanischen Baumwollbauern stark beeinflusst, die durch Subventionierung und modernen Maschinen zu einem niedrigen Preis verkaufen können und somit den Marktpreis drücken.

2. Weiterverarbeitung- Entkörnen, Spinnen. Färben und Nähen

Bevor es weiter in die Spinnerei geht, wo die Fasern zu Baumwollgarn gesponnen werden, wird die geerntete Biobaumwolle zunächst sortiert und getrocknet. Eine Entkörnungsmaschine kämmt Reste der Fruchtkapseln, Blätter und Samenkörner aus der Rohbaumwolle heraus. Die Biobaumwolle sieht dann aus wie Watte. Danach wird die Baumwolle gesponnen und gestrickt. Die fertigen Stoffe bleiben natürlich nicht in Naturfarben, sondern gelangen in die Färberei.

Stoff natur

Beim nachhaltigen Drucken greift man auf den Direktdruck zurück. Das entspricht in etwa dem Drucken zuhause; die Farbe wird direkt auf das Shirt gebracht. Hierbei werden nur von GOTS (Global Organic Textile Standard) freigegebenen Farbstoffe verwendet, die sowohl für die Umwelt als auch für den späteren Träger des Shirts weniger gefährlich sind.

Bei der konventionellen Produktion hingegen werden Chemikalien, Farbpigmente, Salz, etc. verwendet. Das führt unter anderem zu Bodenversalzung, weil das salzige Abwasser oft unkontrolliert abgeleitet wird und das Salz sich somit auf den Feldern ablagert. Diese Felder können nicht mehr bepflanzt werden, denn dort wächst nichts mehr. Meist wird zum Drucken eine Plotterfolie verwendet. Es handelt sich hierbei um eine Farbfolie, die mithilfe eines Plotters ausgeschnitten und anschließend mit einer Bügelpresse auf das T-Shirt gepresst wird. Der Haken: Der Rest der Folie fällt als Abfall an, ist also nicht sehr umweltschonend. Bei „3Freunde“ arbeiten sie mit einem geschlossenen Wasserkreislauf, in dem das Wasser neu aufgearbeitet wird. Auf diese Weise entsteht lediglich ein Wasserverlust von 5% durch Verdunstung. Leider entsteht auch bei „3Freunde“ Abfall in Form von z.B. Salz. Die Entsorgung stellt bisher noch ein Problem dar, an dem gearbeitet werden muss.

roter Stoff

Zuletzt kommen die bedruckten Teile in die Näherei, wo alle Stücke zusammengenäht werden. Dann ist das Produkt bereit für den Transport. Im besten Fall werden die fertigen T-Shirts per Schiff transportiert, um die Umwelt zu schonen.

„3Freunde“ betreibt eine eigene Näherei, durch die sie den Durchgriff auf die gesamte Lieferkette hat und eine nachhaltige Produktion entlang der Lieferkette gewährleistet werden kann.

Näher

Konventionelle Textilfirmen kennen meistens nur die Näherei und im schlimmsten Fall nicht einmal die, sondern nur eine Agentur, die sich um passende Produzenten bemüht, wie im unteren Beispiel beschrieben.

Agentur

Eine Firma beauftragt eine Agentur zu gewissen Konditionen einen Produzenten zu finden, der zertifiziert ist. Die Agentur sucht und findet schließlich einen Produzenten zu den von der Firma verlangten Konditionen. Somit sind die Produkte zertifiziert, die Firma ist zufrieden. Problem: der besagte Produzent produziert die Ware nicht selbst, sondern vergibt die Aufträge an externe Firmen, die keinen Sozialstandards entsprechen. Das hat für die Firma folgenden Vorteil: Bei öffentlich wirksamen Unfällen in solchen Fabriken, wird die Verantwortung von Stufe zu Stufe gereicht. Das heißt, das die auftraggebende Firma nicht mit ernsthaften Konsequenzen rechnen muss, da diese sich auf die bestehenden Zertifizierungen auf dem Papier berufen kann.

Hört man all dies ist man erst einmal ratlos und fragt sich, was ist nachhaltig und was nicht? Ist teure Mode ein Indiz für Nachhaltigkeit? Leider lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten, denn ein hoher Preis verspricht nicht automatisch nachhaltige Mode, sondern ist meistens nur ein Zeichen für gutes und ausgiebiges Marketing. Meint man es nun wirklich ernst mit der Nachhaltigkeit und betreibt man nicht nur ein Green washing des eigenen Images, weil nachhaltig leben gerade in ist, müssen wir uns auf die Suche begeben nach weiteren Labels wie die von „3Freunde“. [Zum Glück sind wir nicht alleine damit und hoffentlich begegnen wir im Laufe des Semesters noch weiteren Unternehmen, denen es nicht genug ist das Zertifikat nur auf dem Papier zu haben. Wenn ihr solche schon kennt, dann schreibt es doch einfach hier rein, vielleicht haben wir am Ende eine schöne Sammlung an Labels, die nach und nach unseren Kleiderschrank von H& M und Co. befreien.]

Zum Schluss ein Bild einer Lieferantin von „3 Freunde“, die sich wie Herr Niethammer sagte, nicht als geschundenes Opfer sieht, sondern weiß, was sie kann und was ihre Arbeit Wert ist. Hoffen wir auf eine Zukunft, in der solch eine Kommunikation auf Augenhöhe kein Einzelfall mehr ist.

 Frau

http://3freunde.de/home

http://www.urbanara.de

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