Das Denken in Kreisläufen – ein Paradigmenwechsel

Ein konventioneller Joghurtbecher enthält 150 gefährliche Chemikalien.
Ein üblicher BH besteht aus 50 verschiedenen Bestandteilen.
Weltweit entstehen jährlich 53 Millionen Tonnen Elektroschrott.

All das sind Probleme, die uns häufig gar nicht bewusst sind. Dennoch ist es notwendig, dass wir uns mit ihnen konfrontieren und nach Lösungen suchen, um eine ressourcenschonende und gesunde Lebensweise zu ermöglichen.
Cradle-to-Cradle ist eine Lösungsidee, mit dem Ziel, die bisher linearen Lebenszyklen unserer Produkte in Lebenskreisläufe umzuwandeln, bei denen kein Abfall entsteht. Langfristig soll dieses System auf die gesamte Wirtschaft abgebildet werden. So soll dem aufkommenden Quantitäts- und Qualitätsverlust unserer Ressourcen aus dem Weg gegangen werden.

Am Beispiel eines T-Shirts kann man das Cradle-to-Cradle Konzept einfach erklären: Sofern das T-Shirt aus reiner Bio-Baumwolle hergestellt, mit biologischem Garn vernäht und ohne den Zusatz von gefährlichen Chemikalien gefärbt und verarbeitet wird, kann es nach der Nutzung durch den Verbraucher problemlos biologisch abgebaut werden. Ein solches T-Shirt ist nicht nur kompostierbar, sondern auch sicher für biologische Kreisläufe. Bei Cradle-to-Cradle muss hierbei ein Unterschied gemacht werden, denn nicht jedes kompostierbare Produkt lässt unsere Umwelt unbeschadet. T-Shirts, die sicher für biologische Kreisläufe sind, gibt es zum Beispiel von der Marke Trigema.

t-shirt

Eine genaue und anschauliche Erklärung zu dem Cradle-to-Cradle Konzept zeigt folgendes Video der Freiberger Regionalgruppe des Cradle to Cradle Vereins:

Gemeinsam mit verschiedenen Unternehmen arbeitet EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) daran, Cradle-to-Cradle Konzepte für die unterschiedlichsten Produkte zu entwickeln. EPEA ist ein Forschungs- und Beratungsinstitut mit Ursprung in Hamburg, das inzwischen Sitze in mehreren Ländern hat. Albin Kälin ist Geschäftsführer der EPEA Switzerland GmbH und hat sich heute Zeit genommen, das Cradle-to-Cradle Konzept innerhalb eines Vortrages an der Universität Konstanz die Aufgaben von EPEA vorzustellen. EPEA beschreibt sich selbst als „Wissenstreuhänder“ mit folgenden Kernkompetenzen:

  • Materialbewertung
  • Suche nach Materialalternativen
  • Fokus Industrie Material Ströme
  • Netzwerk-Management
  • Lieferketten-Management

Für Unternehmen, die mit der EPEA zusammenarbeiten, besteht die Möglichkeit ihre Produkte durch die EPEA nach Cradle-to-Cradle zertifizieren zu lassen. Die EPEA ist akkreditierter allgemeiner Gutachter des Zertifikats des Cradle to Cradle Products Innovation Institute, eine unabhängige Nonprofit-Organisation mit Sitz in Kalifornien. Die Zertifizierung findet anhand von fünf Kriterien statt: Material Health, Material Reutilization, Renewable Energy & Carbon Management, Water Stewardship, Social Fairness. Es können unterschiedliche Qualitätsstufen erreicht werden, von Basic bis Platinum. Folgende Abbildung zeigt ein Beispiel einer Cradle to Cradle certified product score card:

score

Unternehmen wie unter anderem Laufenmühle, Giroflex, Trigema und Frosch Reinigungsmittel der Werner & Mertz GmbH haben bereits Cradle-to-Cradle zertifizierte Produkte auf dem Markt. Die Zertifizierung sieht einen messbaren kontinuierlichen Verbesserungsprozess vor, wird dieser nicht eingehalten, wird die Zertifizierung entzogen. So hat beispielsweise Puma seine Zertifizierung verloren.

C2C – Ein Konzept mit Zukunft?

Dem Konzept Cradle-to-Cradle stehen noch einige Barrieren gegenüber: Derzeit ist es möglich einen Joghurtbecher mit 150 eigentlich gefährlichen Chemikalien zu produzieren, da sie vom Gesetzgeber als sicher eingestuft werden. Es muss ein einheitliches Umdenken in Politik und Industrie stattfinden, um den Weg für eine zirkuläre Wirtschaft zu ebnen. Erste Ansätze sind bereits zu erkennen: In der EU-Kommission wird bereits über den Wechsel von einem linearen Wirtschaftssystem zur zirkulären Wirtschaft beraten. Die Grüne Partei der Schweiz fordert ein Gesetz, nach dem „schädliche“ Produkte, wie zum Beispiel eingeflogenes Gemüse besteuert werden sollen, um „gute“ Produkte günstiger verkaufen zu können. Ein weiteres Beispiel ist die Stadt Venlo in den Niederlanden, die sich zum Ziel gesetzt hat müllfrei zu sein.

Nach Albin Kälin ist es das erste Ziel Wissen und Innovation hinsichtlich des Cradle-to-Cradle Konzeptes in Unternehmen zu fördern. Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung weitergeht.

Quellen zum Text vom 29.05.2015:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/cradle-to-cradle-c2c-recycling-von-produkten-verbessern-a-1013199.html

https://www.youtube.com/watch?v=g1tIGLy3PHw

http://www.c2ccertified.org/get-certified/levels

http://www.mcdonough.com/organizations/cradle-to-cradle-products-innovation-institute/#.VWiZ80btiZc

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