Konventionelle Textilrohstoffprodukion und ihre Alternativen

In einem konventionell hergestellten T-Shirt stecken 150g Gift und 2000 Liter Wasser. 6% des Süßwasserbedarfs weltweit werden von der Baumwollindustrie verbraucht. Mulesing, Pestizidbäder und tierverachtender Umgang sind bei der Schafschur alltäglich. Alle acht Stunden bringt sich in einer indischen Agrar-Provinz ein Bauer um. 37% des weltweiten Textilverbrauchs werden durch Baumwolle abgedeckt.

Derzeit werden 51% des Textilverbrauchs weltweit durch Chemiefasern wie Polyester und Viscose abgedeckt. Damit stellen die Chemiefasern den größten Anteil dar. Naturfasern wie zum Beispiel Wolle und Leinen hingegen machen weniger als 7% aus. Der größte Repräsentant der Naturfaserindustrie ist die Baumwolle, sie wird bis zum heutigen Tag zu 99% konventionell angebaut. Diese Art der Produktion bringt viele Probleme mit sich. Die Baumwollpflanze ist eine ursprünglich in tropischen Gebieten beheimatete Pflanze, welche sehr viel Wasser benötigt. Sobald jedoch die Baumwollkapseln reif sind und aufplatzen, verkleben die feinen Baumwollfasern wenn sie nass werden. Zur Verlustminderung bei der Ernte wird die Baumwolle daher häufig in sehr trockenen Gebieten angebaut, wo sie mit viel Süßwasser künstlich bewässert werden muss. Als eineder gravierendsten ökologischen Katastrophen ist hierbei die Austrocknung des Aralsees in Zentralasien zu nennen. Durch massive Bewässerung der Baumwollfelder mit dem „scheinbar unerschöpflichen“ Reserven des Sees hat sich dessen Volumen um mehr als 70% verringert.

Baumwolle wird in Monokulturen angebaut, was dazu führt, dass viele künstliche Dünger, chemische Pestizide und Herbizide verwendet werden müssen um eine maximale Ernte gewährleisten zu können. Im Schnitt werden Baumwollplantagen rund 25 mal im Jahr mit Substanzen behandelt. In Zahlen ausgedrückt ergibt dies für Indien: Auf 5% der landwirtschaftlich genutzten Fläche durch Baumwollanbau werden etwa 50% der insgesamt in der Landwirtschaft verwendeten Pestizide eingesetzt. Für die Umwelt hat dies gravierende Folgen: Massives Vogelsterben, Trinkwasser- und Bodenverschmutzung und Vergiftungserscheinungen bei der Bevölkerung.

Neben den ökologischen Konsequenzen gibt es weitere gravierende soziale Probleme in der Baumwollproduktion. 100% der Baumwolle wird in kleinbäuerlichen Betrieben in oft ärmlichen Regionen angebaut. Große Saatguthersteller versprechen den Bauern vor Ort durch den Kauf ihres genmanipulierten Saatguts höhere Erträge und damit größere Gewinne. Das hybride Saatgut treibt die Bauern in eine Kostenspirale und in die Abhängigkeit der Großunternehmen. Von der Verzweiflung getrieben führte dies in der Vergangenheit schon zu zahlreichen Selbstmorden von indischen Kleinbauern.

Mittlerweile kann man auf den Kleiderbügeln verschiedener Modehäuser auch Kleidung mit dem „organic cotton“ Siegel entdecken. Auch zahlreiche kleinere Unternehmen handeln mit nachhaltig produzierten Textilien. Sie setzen schon früh in der Produktionskette an. Der erste Schritt zu einer nachhaltigen Produktion ist bereits das Saatgut. Hier wird auf biologisches, unbehandeltes, gentechnisch unverändertes Saatgut zurückgegriffen. Im Anbau wird auf natürliche Düngung, natürliche Unkraut- und Schädlingsbekämpfung geachtet. Das bedeutet zum Beispiel, dass sowohl die Ernte der reifen Baumwolle, das Einsammeln von Schädlingen als auch das Jäten von Unkraut von Hand vorgenommen wird. Zudem kommt es zum Einsatz von Pheromonfallen zur Schädlingsbekämpfung. 20 Baumwollpflücker benötigen einen Tag um die gleiche Menge Baumwolle zu pflücken wie eine Maschine in einer Stunde schafft. Um im besten Fall das Konzept der Nachhaltigkeit im vollen Maße zu berücksichtigen wird zudem auf faire Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen geachtet. Die insgesamt aufwändigeren und teureren Methoden im biologischen, nachhaltigen Baumwollanbau führen natürlich zu höheren Kosten des Endprodukts im Vergleich zu Produkten aus konventioneller Herstellung.

Neben der Baumwolle gibt es auch noch andere Textilrohstoffe die nachhaltig und biologisch hergestellt werden können. Bei der Wolleproduktion ergeben sich folgende Schwierigkeiten: Die in Deutschland gezüchteten Schafe, die den Richtlinien KBT (kontrollierten biologischen Tierhaltung) entsprechen, produzieren bei hiesigen Witterungsbedingungen eine sehr grobe Wolle.

Daher wird die für die Textilproduktion verwendete Wolle in warmen Regionen (Australien, Neuseeland) produziert. Dort gelten weniger strikte Richtlinien zur Tierhaltung. Was zu Maßnahmen wie Mulesing und Pestizidbädern bei konventionell gehaltenen Schafen führt. Biologisch hergestellte Schurwolle wäre für den heutigen Markt und Verbraucher aufgrund des Mehraufwands in der Tierhaltung noch zu teuer, sodass sich die Vermarktung eines Biowolleprodukts als sehr schwierig erweist. Ein anderes tierisches Produkt, welches in unserem Alltag viel Anwendung findet, ist das Leder. Leder wird als Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie gewonnen. Die Trennung von konventionellem Leder und Bio-Leder ist derzeit noch recht schwierig, da die weitere Verarbeitung der gewonnen Tierhäute schnell nach der Schlachtung vollzogen werden muss. Die Menge an Tierhäuten aus biologischer Haltung ist derart gering, dass sich momentan eine separate Verarbeitung ökonomisch und logistisch nicht lohnt. Ein Augenmerk kann jedoch sehr wohl auf die unterschiedlichen Gerbungsprozesse gelegt werden. Die Chromgerbung, welche am häufigsten Anwendung findet, ist stark umweltbelastend und in gewissen Fällen auch gesundheitsgefährdend (Problem Chom 6). Eine biologisch und gesundheitlich unbedenkliche Alternative stellt hierzu die vegetabile Gerbung dar. Leider besteht hierzu noch keine Kennzeichnungspflicht und so ist der Verbraucher auf die Verlässlichkeit und Ehrlichkeit seines Händlers angewiesen. Ein alternatives Konzept wäre hierzu das Denken in kleineren Produktionskreisen. So ist es dem Waschbärversand und seinem Partner Ecopell gelungen, einen vegetabil gegerbten Schuh aus Bioleder durch kurze Produktionswege, langfristige und intensive Verbindungen zwischen allen beteiligten der Produktionskette, herzustellen.

Setzt man sich mit der Thematik der Rohstoffproduktion in der Modeindustrie auseinander, so ist einem Umdenken kaum aus dem Weg zu gehen. Mit derartigen sozialen und ökologischen Folgen sollten wir uns nicht weiter abfinden. Überspitzt ausgedrückt bestimmt unser Kaufverhalten wie es den Menschen und der Umwelt in Zukunft ergehen wird. Alternativen sind vorhanden und können mit relativ wenig Aufwand gefunden und genutzt werden. Unternehmen die sich mit nachhaltiger Produktion auseinandersetzen, wie zum Beispiel der Waschbär Umweltversand, gehen wichtige Schritte zu einem bewussteren Umgang mit globalen Beziehungen.

Wir danken Barbara Engel für ihren Vortrag und wünschen ihr viel Erfolg bei der Umsetzung weiterer innovativen Ideen.

https://waschbaer.de/

http://www.spiegel.de/wirtschaft/selbstmord-serie-tausend-indische-bauern-gehen-in-den-tod-a-446922.html

http://www.302.schule.bremen.de/wasserprojekt/aralsee/lang_aralsee.htm

http://www.lederzentrum.de/wiki/index.php/Chrom-VI

http://www.animalfair.at/2011/11/wolle-und-wollprodukte-wie-lanolin/

http://www.geolinde.musin.de/raummenschnatur/aralsee/aral1.htm

http://www.sunandstar.ch/reisen/australien/australien_2009_04.shtml

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