,,Red Bull verleiht Flügel“ – Doch der Bulle bleibt im roten Schlamm stecken!

verfasst von Patrick Tomasi im Rahmen des Blockseminars “Alles grün, alles gut?“

„Red Bull verleiht Flügel!“ Seit Jahren gehört der Werbespruch zu einer der bekanntesten Marketingstrategien weltweit. Die Marke und seine Kunden sind hip, modern und kennen keine Grenzen. Unter dem Logo mit dem roten Bullen bezwingen Sportler Berge, durchqueren Wüsten und durchbrechen sogar die Stratosphäre, wie Felix Baumgartner der Welt bewiesen hat. Mit dieser Strategie hat Red Bull bisher mehr als 62 Milliarden Dosen weltweit verkauft, Tendenz steigend. Um ein lupenreines Image aufrecht zu erhalten fordern die Kunden auch einen verantwortlichen Umgang mit Natur und Ressourcen.

„Energie geht nie verloren, sie wird nur umgewandelt“

„Es liegt in der Natur der Sache, dass die Herstellung und der Vertrieb eines Produktes Auswirkungen auf die Umwelt haben. Red Bull ist sich der daraus resultierenden Verantwortung bewusst und ständig bestrebt, Verbesserungen umzusetzen, die der Umwelt zugutekommen.“

Die Österreicher sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Nach eigenen Angaben, wird 80 % des Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt, was verglichen mit dem österreichischen Durchschnitt von ca. 70 % lediglich ein kleines Plus darstellt. Auch sind bereits 780.000 Eco-Kühlschränke im Einsatz, dabei brauchen sieben Einheiten nicht mehr Energie als eine 100 Watt Glühbirne – allerdings würde sich diese Angabe unter Nutzung von Energiesparlampen deutlich ändern. Zur Vermeidung unnötiger Emissionen setzt Red Bull im Vertrieb vornehmlich auf den Transport mit der Bahn oder den Seeweg. Auf den Lastkraftverkehr wird dagegen nur zurückgegriffen, sollte es keine Alternativen geben, heißt es. Auch in der Produktion würden Transportwege minimiert. Die roten Bullen treiben dafür die Ansiedlung von kooperierenden Unternehmen, in der unmittelbaren Umgebung ihres Firmenhauptsitzes, voran. Mit der sogenannten Wall-to-Wall-Produktion beanspruchen sie eine Einsparung von 6.641 Tonnen CO2-Emissionen für sich. Ja selbst die Dose, in der der Stier schlummert, sei ein Ökowunder. Zu 100 % recycelbar und mit 40% weniger Platzverbrauch als eine Glasflasche und 60 % leichter als noch vor 10 Jahren. Recycelt sinkt der Energieaufwand zur Produktion einer Dose sogar um 95%.

Der Teufel steckt im Detail

Es scheint ein grünes Meisterwerk zu sein, was die Marketingexperten aus Fuschl anstreben. Dabei greifen sie auf das klassische Mittel unserer heutigen Wirtschaft zurück – Stichwort: Kostenoptimierung. Die Idee ist ganz einfach: Geringere Kosten entstehen durch einen geringeren Ressourceneinsatz pro Stück und scheinen somit besser für die Umwelt zu sein. Die Kehrseite ist allerdings: Wer weniger Kosten trägt, kann mit gleichem Geld mehr produzieren. Dies nennt sich auch „Rebound-Effekt“: Effizienzmaßnahmen führen dann nicht unbedingt zu geringerem sondern sogar zu mehr Energie- und Ressourcenverbrauch. Und dass Red Bull mehr produziert, kann man an den aktuellen Absatzzahlen sehen. 2016 setzte das Unternehmen über sechs Milliarden Dosen ab. Im Vergleich dazu waren es 2006 lediglich drei Milliarden, was eine Verdopplung innerhalb der letzten zehn Jahren entspricht. Leider kann der Bedarf an Rohaluminium nicht ausschließlich aus recyceltem Material bewerkstelligt werden, zumindest macht Ball, der Konzern der für Red Bull Dosen produziert, dazu keine Angaben. Und auch die Bullen selbst machen keine Angaben über die Verwendung von recyceltem Material. Dass die Möglichkeit besteht, ist letztlich also nur für das Image förderlich. Bedenkt man nun, dass alleine die Alu-Hütte der Firma Trimet so viel Energie verbraucht, wie die gesamte Stadt Essen, kann man schon mal an der Effizienz der Dose zweifeln. Zur Produktion einer Tonne nicht-recycelten Aluminiums werden durchschnittlich 15 Megawattstunden benötigt, genau so viel wie ein Zwei-Personen-Haushalt in fünf Jahren.

Und dann noch das…

Die Dosen, die Red Bull vertreibt, sind bei Weitem nicht so unbedenklich, wie man zunächst annehmen könnte. Bauxit, der Grundstoff, aus dem der Behälter gefertigt ist, lagert zu 90 % auf dem Tropengürtel. Auf diesem liegen jedoch auch die größten Regen- und Tropenwälder des Planeten. Wer jetzt glaubt, zum Schutz der Natur werde auf den Abbau verzichtet, irrt. Neben der Rodung von Waldflächen gehen weitere Gebiete durch den Bau von Wasserkraftwerken verloren. Die erzeugte Energie kommt dabei jedoch nur zum Teil der Bevölkerung zugute, vielmehr soll damit der enorme Energiebedarf, der bei der Aluminiumproduktion anfällt, gedeckt werden. Neben der direkten Zerstörung von Naturräumen durch die Ressourcenförderung ist auch der Verarbeitungsprozess kritisch zu hinterfragen. Bei diesem entsteht ein Nebenprodukt, für das es keine Verwertungsmöglichkeiten gibt. Der „Rotschlamm“, der seinen Namen durch den hohen Eisengehalt erhalten hat, enthält zwei gefährliche Bestandteile: Zum einen wird zur Produktion Natronlauge, eine hochgradig ätzende Flüssigkeit, eingesetzt. Zum anderen besteht der Rotschlamm aus Schwermetallen, die während des Prozesses gelöst werden. Der Schlamm, der Quecksilber, Cadmium oder sogar radioaktive Stoffe wie Uran enthalten kann, wird in großen Becken gelagert. Dass dies jedoch keine sichere Endlösung sein kann, wird an der Katastrophe in der ungarischen Stadt Ajka klar. Dort wurde nach einem Dammbruch Anfang Oktober 2010 eine Fläche von 40 Quadratkilometern mit rund einer Million Kubikmeter Rotschlamm geflutet. Bei Titeln wie: „Der Schlamm hat ihn bis auf die Knochen verbrannt“ sollte sich jeder selbst überlegen, wo genau die Vorteile einer Aluminiumdose liegen. Oder ob durch cleveres Marketing und eine geschickte Wahl der werbenden Worte ein nicht vorhandener Mehrwert propagiert wird. Letztlich scheint es, als ob Red Bull die Dose nicht wegen ihrer vermeintlichen Umweltfreundlichkeit gewählt hat, sondern aufgrund der Möglichkeit, den roten Bullen medienwirksam abbilden zu können. Man stelle sich einmal vor, die gelbliche Flüssigkeit aus Fuschl würde in wenig sportlichen Glasflaschen vertrieben – wären Sie immer noch Red Bull Fan? Konzerne werden niemals alle Motive und Folgen ihrer Produktion offenlegen, deshalb Kopf einschalten und hinterfragen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

QUELLEN:

Red Bull – Dose und Nachhaltigkeit. URL: http://energydrink-de.redbull.com/red-bull-dose-und-nachhaltigkeit

Statista (2016):Absatz von Red Bull weltweit in den Jahren 2004 bis 2016 (in Milliarden Dosen). URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/257250/umfrage/anzahl-verkaufter-dosen-von-red-bull/

Erneuerbare Energie in Zahlen 2015 die Entwicklung erneuerbarer Energien in Österreich Datenbasis 2014. URL: http://www.energieklima.at/fileadmin/content/publikationen/1Broschuere_eEiZ_2015.pdf

IG Metall (2011): Stromverbrauch und giftiger „Rotschlamm“-Abfall. URL: https://www.igmetall.de/oekologische-probleme-bei-der-aluminium-produktion-6851.htm

Focus-Online (2010):“Der Schlamm hat ihn bis auf die Knochen verbrannt“. URL: http://www.spiegel.de/panorama/chemieunfall-in-ungarn-der-schlamm-hat-ihn-bis-auf-die-knochen-verbrannt-a-721398.html

Foto: Pixabay

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