„Alles grün, alles gut?“ Der österreichische Aldi-Bruder wirbt mit CO2-Neutralität

verfasst von Alice Wiedmann im Rahmen des Blockseminars “Alles grün, alles gut?“

„Nur traditionelles Handwerk“ und hier und da Bio-Brot von „Zurück zum Ursprung“, ist in der Werbung des österreichischen Aldi-Bruders zu lesen. Das beste: „Hofer ist CO2 neutral!“1 Doch was steckt wirklich hinter dem grünen Image, das sich große Geschäfte in letzter Zeit vermehrt geben?

Hofer ist in Österreich eines der drei größten Lebensmittelunternehmen, neben Rewe und Spar.2 So wie fast alle großen Unternehmen, springt auch der österreichische Aldi auf den Zug von „Greening Strategien“, die sich in der Werbung mit CO2-Neutralität brüsten, auf. Doch was steckt wirklich hinter der These, alles „grüner“ zu machen?

Der neue Trend: „Green Economy“ und „Offsets“

Diese Begriffe wurden erst in den letzten Jahren geprägt. Es wurde den Menschen immer mehr bewusst, dass unsere Umwelt nicht unzerstörbar ist und Menschen sowie Unternehmen etwas dagegen unternehmen müssen. Die immer größer werdende Nachfrage nach Bio-Produkten, Fair-Trade und die Notwendigkeit von Klimaschutz bringen große Discounter-Konzerne immer mehr unter Druck. Hofer gilt mit seinen Billigprodukten aus aller Welt nicht gerade als nachhaltig. Das musste geändert werden.

Nehmen wir zum Beispiel die Behauptung, CO2-neutral zu sein. Dies funktioniert über sogenannte Offsets, also CO2-Kompensationsprojekte. Darüber kann Hofer sich als CO2-neutral darstellen, ohne groß etwas an der Wirtschaftsweise zu verändern oder den CO2-Ausstoß zu verringern. Der Supermarkt unterstützt nun einfach Projekte, die die CO2-Verringerung woanders fördern. Eines dieser „grünen“ Projekte ist die Kohleöfen-Förderung in Ghana. Durch effizientere Kochöfen wird laut Hofer „die Abholzung zur Feuergewinnung vermieden und die Schadstoffbelastung beim Kochen reduziert“3. Was auf den ersten Blick lohnend und erstrebenswert aussieht, bekämpft aber nicht die eigentliche Ursache, nämlich den viel zu großen CO2-Fußabdruck der Industrie. Nicht wenige Banken, Industrien aber auch Politiker der Deutschen Bundesregierung sprechen sich für eine solche „Green Economy“ aus, die nicht das eigentliche Problem löst.

Das eigentliche Problem von Hofer

„Wir arbeiten CO2-neutral“ ist nicht das einzige Versprechen. Auch „Zurück zum Ursprung Bio-Backwaren“ oder „Zurück zum Ursprung Bäcker“ dominieren die Hofer-Werbung. Doch was wirklich dahinter steckt, deckte der Autor Clemens G. Arvay in seinem Buch „Der große Bio-Schmäh: Wie uns die Lebensmittekonzerne an der Nase herumführen“ auf. Er machte sich auf die Reise nach dem versprochenen traditionellen Backhandwerk von Hofer und fand diese letztendlich in einer großen Maschinenfabrik wieder, die ironischer Weise in der „Industriestraße“ in Wien zu finden war. Aber nicht nur das sollte uns zu denken geben, sondern auch die doppelten und dreifachen Verpackungen in den großen Lebensmittelgeschäften, die, wie wir alle wissen, ganz und gar nicht umweltfreundlich sind. Das wirklich perplexe an diesen Verpackungen ist, dass fast jedes Bio-Produkt, sei es bei Hofer, Rewe oder Lidl, von noch mehr Plastik umhüllt ist als andere Produkte.4 Sollten nicht gerade diese vielversprechenden Bio-Produkte weniger zur Umweltbelastung beitragen als andere?

Gibt es die „universelle Lösung“ für das Problem?

Es ist immer leicht, Strategien und Lösungsvorschläge zu kritisieren, aber nach einer besseren Alternativlösung zu suchen erweist sich eindeutig schwerer. Das große universelle Problem mit einem universellen Lösungsansatz zu bereinigen, geht nicht!  Dies liegt daran, dass es zum einen das „universelle Problem“ nicht gibt. Die vielen Faktoren wie zum Beispiel zu hoher CO2-Ausstoß, zu viel Plastik, zu viel Konsum usw. kann nicht durch eine einfache Lösung beantwortet werden. Doch was tun? Einfach auf das unvermeidliche Schicksal warten?

Nein! Auch als kleiner Verbraucher und Konsument können wir bewusste Entscheidungen treffen, die unsere Umwelt schonen. Zum Beispiel können wir auf das viele Fliegen verzichten, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, anstatt alleine mit dem Auto zu fahren oder einfach einheimische, kleine Bioläden, die sogenannten „Tante Emma Läden“, unterstützen. Für die Kritiker, die jetzt an dieser Stelle anbringen, dass sich viele ärmere Leute die teureren kleinen Biolädchen nicht leisten können, gäbe es ebenfalls eine Lösung. Anstatt zum Beispiel die Massenmilchproduktion der EU zu subventionieren, könnte die Politik kleineren, regionalen Bauern und Geschäften unter die Arme greifen um somit „Bio“ für jede*n zugänglich zu machen. Durch die Regionalität bräuchten solche Produkte auch weniger umweltverschmutzende Plastikverpackungen und weniger CO2-belastende Langstreckentransporte in die großen Lebensmittelgeschäfte.

Abschließend lässt sich sagen: Nicht alles, was sich als grün ausgibt, ist auch wirklich grün!

QUELLEN

  1. http://www.zurueckzumursprung.at/grundwerte/so-weit-muss-bio-gehen/brotbackkunst/
  2. http://www.cash.at/uploads/media/CASH_Pocket_0316.pdf 6
  3. https://www.hofer.at/de/infos-und-services/hofer-a-z/u/umweltschutz/
  4. Der große Bio-Schmäh: Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen, von Clemens G. Arvay, Ausgabe 1. Januar 2012, S.13ff

Foto: Pixabay

 

 

 

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