„Fahr grün!“ – zu schön um wahr zu sein?

verfasst von Katharina Hecker im Rahmen des Blockseminars “Alles grün, alles gut?“

Flixbus verspricht, die umweltfreundlichste Transportform zu sein. Mit wenigen zusätzlichen Cent kann man sogar klimaneutral reisen. Ein für uns verlockendes und zugleich überzeugendes Angebot! Doch wie soll das funktionieren, was steckt dahinter? Die grünen Busse mit ihren günstigen Preisen geben jedem, der einen kurzen Blick auf sie wirft, ein gutes und erleichterndes Gefühl. Hier wird endlich mal etwas Gutes für die Umwelt getan. Und es ist auch noch finanziell attraktiv… Diese Kombination verhilft dazu, jegliche Bedenken und Hinterfragungen aus dem Sinn schieben zu wollen.

Sind „Offsets“ die Lösung des Problems?

Laut Flixbus sind Fernbusfahrten grüner als Auto und Bahn. Bei der Buchung einer Fahrt kann man ein extra Kreuzchen setzen und damit ein paar Cent mehr zahlen, um komplett ohne negative Auswirkung, ganz ohne Anheizen des Klimas, reisen zu können. Doch CO2-neutral, wie soll das gehen?

Die Emission von CO2 aus dem Bus-Auspuff ist nicht zu verhindern. Die Idee ist darum, das CO2 zu „kompensieren“, um sich als „grünes Unternehmen“ verkaufen zu können. Es wird also Geld in ein Kompensationsprojekt, ein sogenanntes „Offset“, gezahlt1. Durch die Erhaltung oder Erbauung von Baumplantagen, Naturschutzgebieten oder die Nutzung von erneuerbaren Energien wie Wind- und Wasserkraftwerken, sowie industrielle Gas-Destruktionsprojekte, werden CO2-Gutschriften produziert, die über den Emissionsmarkt erworben werden können.

Das FlixBus-Unternehmen wirbt mithilfe der Zusammenarbeit von ClimatePartner mit der Unterstützung des Klimaschutzprojektes in Aruba damit, seine CO2 Emissionen zu kompensieren. In Aruba werden durch Bau und Wartung von Windkrafträdern erneuerbare Energien gefördert. Die produzierte Energie soll laut eigener Aussage regional genutzt werden und diese Region durch die Selbstversorgung stärken2. Dabei sollten zusätzlich neue Arbeitsplätze geschaffen, die Infrastruktur gefördert und Schadstoffe aus bisheriger Stromgewinnung verringert werden2.

Das Problem: Die Existenz von „Offsets“ führt oft zur Aufrechterhaltung von begangenen CO2-Emissionen: Man denkt, es sei ja kein Problem, viel mit dem Bus herumzufahren – es sei ja klimaneutral. Zudem führen Offset-Projekte, die meist im Globalen Süden liegen, oft zu weiteren Problemen, wie „Green Grabbing“, also die  Vertreibung von indigener Bevölkerung oder Zerstörung der Biodiversität vor Ort.

Kompensation der CO2-Emission – der vielversprechende Klimaschutzbeitrag!

FlixBus bietet den Fahrgästen an, die durch ihre Fahrt entstandene CO2-Menge „fahrtengenau“ durch Unterstützung des Klimaprojektes auszugleichen. Das wäre durch Zahlung eines Zuschlags von 1-3% des Fahrpreises erledigt. Dabei kommt die Frage auf, wie diese 1-3% des Fahrtpreises ausreichen, wenn es sich um ein billiges Ticketangebot handelt. Oder, wenn im Bus statt 60 nur 20 Passagiere sitzen. Kompensiert das Unternehmen „FlixBus“ etwa durch eigene finanzielle Unterstützung alle produzierten und vom Fahrtgast nicht mitfinanzierten CO2-Emissionen selbst? Wohl eher nicht.

Und ist der FlixBus tatsächlich so CO2-freundlich wie behauptet wird? Genaue Zahlen sind dem Umweltbundesamt nicht bekannt3. Dafür stehen die CO2-Emissionsraten von Reisebussen für eine annähernden Vergleich zu Verfügung. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass gebuchte Reisebusse meist eine Auslastung der Fahrtplätze von 60-70% aufweisen4. Fernbusse kommen im Streckenvergleich diesbezüglich meist wegen geringerer Auslastung mit einer schlechteren Bilanz weg.

Bus oder Bahn, das ist hier die Frage

Es ist also schwer, ein eindeutiges Urteil über die umweltfreundlichste Transportvariante zu ziehen. Fest steht, dass die Nutzung von Flugzeug und Pkw die Menge an CO2-äquivalenten Emissionen von Bahn und Bus bis auf das 10-fache toppen können5.

Daten aus dem Jahr 2012 zufolge liegt der Reisebus bezüglich des Ausstoßes von CO2 bei 35 g/km nach der Bahn, welche 45 g/km verzeichnet5. Auch im Hinblick auf den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch pro Reisenden auf 100 km kommt der Bus auf 1,5 Treibstoff-Liter, während die Deutsche Bahn umgerechnet bei 2,5 l Treibstoff/100 km liegt4 – wobei die Bahn ja Strom statt Diesel tankt. Liegt der Fokus auf der Emission von Stickoxiden oder dem Feinstaub steht die Bahn jedoch um ein Vielfaches besser da5. Dies liegt an der Nutzung elektrischer Antriebe. In den letzten elf Jahren hat es bei der Bahn Energieeinsparung von 30% gegeben, während bei dem Bus die Einsparungen im 1%-Bereich liegen4. Basierend auf Daten aus dem Jahr 2014 sind die Treibhausgaswerte für den Reisebus niedriger (32 g/PKm) als bei der Bahn (41 g/Pkm). Dies liegt allerdings daran, dass nur 42% des von der Bahn genutzten Stromes aus erneuerbaren Energien kommt8. Der größere Anteil stammt von Kohlestrom8. Würde die Bahn also mehr erneuerbare Energie nutzen, läge ihre Klimabilanz vor der des Busses.

Ein weiteres Plus für den Bus stellt die geringere Lärmbelästigung dar. Während der Bus auf die Geschwindigkeit von ca. 100 km/h beschränkt ist, führt die hohe Geschwindigkeit der Bahn zu einem erheblich größeren Lärmaufkommen4.

Noch vor dem Zusammenschluss Anfang des Jahres 2015 von Mein Fernbus und FlixBus wurde in einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung folgende Aussage getroffen: „Insgesamt ist der Reisebus eines der umweltverträglichsten Verkehrsmittel.“ 6. Diese Studie besagte unter anderem, dass Busse im Betrieb nicht älter als zwei Jahre sein dürfen, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Weiterhin würden die Folien für die Beklebung der Busse von „MeinFernbus“ ohne schädliche Lackfarben produziert. Die Werbeblätter wären größtenteils aus Recyclingpapier hergestellt und sogar der Strom für die Büros liefere Greenpeace Energy persönlich (frei von Kohle-und Atomenergie).  In den Bussen selbst war auch geplant, Bio-Speisen und Bio-Getränke anzubieten. Diese umweltfreundlichen Maßnahmen konnten jedoch in keinen der für FlixBus aktuellen Quellen gefunden werden. Es steht allein die Zusammenarbeit mit ClimatePartner und den damit verbundenen Klimaschutzprojekten im Vordergrund. Über diese haben die Nutzer von FlixBus die Möglichkeit, mit abzustimmen7. Es wäre doch wünschenswert, wenn solche oben benannten umweltfreundlichen Maßnahmen auch in dem „FlixBus“-Unternehmen wieder zur Sprache kämen. Weiterhin wäre es denkbar, den Klimaschutzbeitrag gleich in den Fahrpreis zu integrieren – und zwar ohne zu behaupten, die Fahrt sei klimaneutral.

Auf der Suche nach der klimafreundlicheren Alternative Bus oder Bahn kann geschlussfolgert werden, dass aktuell die Fernbusse von FlixBus weniger CO2-Emissionen pro Personenkilometer verursachen als die Bahn. Unter der Voraussetzung, dass beide Verkehrsmittel voll ausgelastet sind, und die Bahn weiterhin mit Kohlestrom fährt, bleibt der Fernbus doch die klimafreundlichste Transportvariante.

QUELLEN

Trading, C. (2006). A Critical Conversation on Climate Change, Privatization and Power.Development dialogue48.

FlixBus: Klimaneutral Busfahren – geht das? In: https://www.flixbus.de/unternehmen/umwelt  [Zugriff: 17.03.17]

Umwelt Bundesamt: Bus und Bahn fahren. In: http://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/mobilitaet/bus-bahn-fahren#textpart-3 [Zugriff:17.03.17]

Müller, Stefanie; Leister, Frank; Bauer, Nicole; Hartlieb, Uwe (2012): Lieberalisierung für den Fernbusverkehr – Teil 2. In: http://www.mobilaro.de/fernbus/3357-fernbus-oder-bahn-wer-hat-die-bessere-umweltbilanz [Zugriff:17.03.17]

Simon, Andreas (2012): MIT DEM FERNBUS UMWELTFREUNDLICH REISEN. In: http://www.fernbus-reisen.info/mit-dem-fernbus-umweltfreundlich-reisen [Zugriff:15.03.17]

Gebhardt, Sarah (11.02.2013): Ist der Fernbus umweltfreundlicher als Bahn und Auto? In: http://fernbus-bewertung.de/ist-der-fernbus-umweltfreundlicher-als-bahn-und-auto/ [Zugriff:18.03.17]

Engert, Bettina (03.09.2013): FlixBus wird neuer ClimatePartner und bietet ab sofort klimaneutrale Busfahrten durch ganz Deutschland. In: http://www.climatepartner.com/presse/flixbus-wird-neuer-climatepartner-und-bietet-ab-sofort-klimaneutrale-busfahrten-durch-ganz-deutschland/ [Zugriff:15.03.17]

Umwelt Bundesamt: Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Personenverkehr – Bezugsjahr:2014. In: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/bilder/dateien/vergleich_der_emissionen_einzelner_verkehrsmittel_im_personenverkehr_bezugsjahr_2014_tremod_5_63_0.pdf [Zugriff:28.03.17]

Foto: Pixabay

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