Unilever rettet die Welt

verfasst von Rebekka Höch im Rahmen des Blockseminars “Alles grün, alles gut?“

„Der 2010 eingeführte Unilever Sustainable Living Plan entkoppelt unser Wachstum von unseren Umweltauswirkungen, steigert unsere positiven sozialen Auswirkungen, ermöglicht profitables Wachstum unserer Marken, senkt Kosten und fördert Innovationen.“ [i]

Die Werbung des Lebensmittelkonzerns klingt nicht schlecht. Doch was steckt dahinter? Der Name Unilever ist bislang vielen Leuten kein gängiger Begriff. Doch das niederländisch-britische Unternehmen steht auf einer Stufe mit Nestlé, Coca-Cola oder Danone. Es umfasst vor allem die Produktion von Lebensmitteln, wie Margarine und Eis, Kosmetik- und Körperpflegeprodukten und Haushaltsprodukten. Dabei gehören Marken wie Lätta, Rama, Sanella, Knorr, Cornetto, Ben&Jerrys, Langnese, Dove, Axe und Domestos und viele Weitere zu dem Konzern.[1] Dieses Produktangebot macht Unilever weltweit zu einem der größten Palmölabnehmer, wobei das Unternehmen 2,6 % des global produzierten Palmöls bezieht.[ii] Mit einem weltweiten Umsatz von mehr als 50 Mrd. Euro ist der Konzern dabei der drittgrößte Hersteller von Konsumgütern, nach Nestlé und Procter & Gamble.[iii]

Der Unilever Sustainable Living Plan

Unilever hat sich mit seinem Sustainable Living Plan hohe Ziele gesteckt: Bis 2020 soll die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden von über einer Milliarde Menschen erhöht werden, während bis 2030 die Umweltbelastung pro Produkt halbiert und die Lebensbedingungen von vielen Millionen Menschen bis 2020 verbessert werden sollen.[iv] Unilever möchte quasi im Alleingang die Welt retten. Doch wie geht das? Wie will der Großkonzern die Leben von einer Milliarde Menschen verbessern?

Im Prinzip steckt dahinter, dass Unilever seine Produkte, wie Wasser, Seife und andere Hygieneartikel billig an die Menschen im Globalen Süden verkaufen will, die schon zu den Ärmsten der Armen gehören. Ob dies das allgemeine Wohlbefinden steigert, ist jedoch fraglich. Sicher ist, dass somit auch noch Profit aus der Not der Ärmsten geschlagen wird.

Nachhaltiges Palmöl?

Und was ist Unilevers Umweltstrategie? In fast allen der Produkte ist Palmöl enthalten – dies ist am billigsten und praktischsten. Doch da Palmöl aufgrund der ökologisch desaströsen Auswirkungen in Verruf gekommen ist, verwendet Unilever laut eigenen Angaben nur noch nachhaltiges Palmöl. Jeder Tropfen des begehrten Öls sei zurückverfolgbar, heißt es. Zunächst sollte man wissen, dass die Ölpalme etwa dreimal so ertragreich ist wie beispielsweise Raps und nur ein Sechstel der Anbaufläche, im Vergleich zu Soja, benötigt wird.[v] Allerdings kann die Ölpalme nur zwischen dem zehnten nördlichen und südlichen Breitengrad angebaut werden, was uns vor ein Problem stellt. Denn genau in diesem Bereich fühlt sich auch der Regenwald, die grüne Lunge der Erde, am wohlsten. Wie schafft man also genug Platz, um das wertvolle Öl anbauen zu können? Hier gibt es gleich zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man einfach die Regenwälder dem Erdboden gleichmachen. Die andere Möglichkeit wäre, Menschen aus Dörfern oder von ihren Äckern zu vertreiben, welche in Ländern wie Indonesien und Malaysia, die zu den größten Palmöl produzierenden Staaten gehören, überwiegend in oder bei Regenwäldern beheimatet sind. Aber halt! Wenn Palmöl angepflanzt wird, steht doch auch eine Art Wald auf dem Areal des früheren Regenwaldes, nicht? Das stimmt natürlich – aber was für eine Art Wald! Aber erwiesenermaßen führen Monokulturen zum Rückgang von Biodiversität und der Stabilität im Ökosystem.[vi] So ist eine Monokultur natürlich viel anfälliger für etwaige Krankheiten. Viele Gruppen verlangen daher, dass endlich Palmölplantagen nicht mehr als Wald gelten dürfen[vii].

Roundtable on Sustainable Palm Oil

Nach einer Initiative des WWF wurde 2004 der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) gegründet, welcher nachhaltige Methoden zum Palmölanbau diskutiert und zum Ziel hat, die oben genannte Problematik beim Anbau von Palmöl zu lösen. Neben Umweltschützer*innen sitzen auch Vertreter*innen von Unternehmen, die Palmöl beziehen, an dem runden Tisch. Unilever ist seit der ersten Stunde mit von der Partie. Seit Bestehen des runden Tisches haben die Mitglieder eine Handvoll Kriterien erarbeitet. Werden diese Kriterien beim Anbau eingehalten, gibt es ein Zertifikat, welches dies bestätigt. Die Kriterien umfassen zum Beispiel, dass der Anbau die Biodiversität und instabile Ökosysteme nicht gefährdet, genauso, dass kein Primärwald, also ein von Menschen unberührter Wald, für den Anbau abgeholzt worden ist. Des Weiteren sollen der Verbrauch von Pestiziden verringert und Indigene geschützt werden. Der Endverbraucher im Supermarkt soll wissen: Ich habe ein Produkt aus nachhaltigem Palmölanbau gekauft. Oder doch nicht?

Schwarze Schafe sind leider keine Rarität am runden Tisch.[viii] Viele der Lieferanten für augenscheinlich nachhaltig produziertes Palmöl, natürlich säuberlich als solches vom RSPO zertifiziert, stehen immer wieder in der Kritik, Menschenrechte zu verletzen und Indigene aus ihren Dörfern zu vertreiben, so wie in Sumatra, um nur einen Fall zu nennen.[ix] Auch Unilever bezieht solches Palmöl, zum Beispiel von Wilmar International, einem Palmölproduzenten aus Singapur und Mitglied beim RSPO. Da Unilever ja lediglich eine Milliarde Menschen zu mehr Wohlstand und Wohlbefinden weiterhelfen möchte, gehören die von Wilmar International Vertriebenen offenbar nicht zu dieser Milliarde. Das heißt dann wohl Pech gehabt.

Greenwashing oder der Handel mit Zertifikaten

Es gibt bestimmte Handelswege des zertifizierten Palmöls.[x] Zum einen kann strikt das nachhaltig angebaute Öl von einem Unternehmen erworben werden, sodass in diesem Fall tatsächlich 100 % des Palmöls aus nachhaltiger Landwirtschaft stammen. Das Produkt erhält ein Siegel von dem RSPO. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass nachhaltig und nicht nachhaltig angebautes Palmöl miteinander vermischt werden – ein hübsches Siegel mit dem Hinweis, dass die Palmöle gemischt wurden gibt es oben drauf. Aber Achtung: Es ist nicht erforderlich, dass Produkte mit dieser Kennzeichnung mindestens x % nachhaltig angebautes Palmöl enthalten – es ist möglich, dass der gesamte Anteil des Öls aus nicht nachhaltigem Anbau stammt. Lethere Methode wird zum Beispiel durch die Internetplattform GreenPalm[xi] betrieben. Hierbei kann ein Zertifikat von einer Plantage erworben werden, welche vorgeblich nachhaltigen Palmölanbau betreibt, das Produkt jedoch als konventionelles, nicht nachhaltig produziertes Palmöl verkauft hat. Im Klartext heißt das, dass ein Unternehmen ein Produkt aus Palmöl als nachhaltig verkaufen kann, obwohl dieses in Wirklichkeit vielleicht auf einer Fläche angebaut worden ist, von der malaysische Indigene mit Gewalt vertrieben wurden. Dieses Produkt wird mit dem GreenPalm-Warenzeichen und dem Zusatz „Trägt zur Herstellung von zertifiziertem nachhaltigem Palmöl bei“ versehen. So können sich die Unternehmen also auch freikaufen – sie beziehen trotz Mitgliedschaft im RSPO ihr Palmöl von Herstellern, die eben dieses nicht nachhaltig anbauen und kaufen sich mit Zertifikaten von GreenPalm frei.

Dabei müssten sich die großen Konzerne das Leben gar nicht so schwer machen: Die Zertifikate sind schließlich freiwillig und keine Voraussetzung. Aber so kann das Unternehmen sein Image aufpolieren und wenigstens so tun, als wäre es nachhaltig. Wie nennt man das nochmal? Achja: Greenwashing.

Die Moral von der Geschichte

Unilever hat bereits viele Auszeichnungen für seine Nachhaltigkeitsstrategien und -konzepte bekommen. 2012 war das Unternehmen für den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Rubrik Zukunftsstrategie nominiert, nicht zuletzt wegen seiner Mitgliedschaft am runden Tisch für nachhaltiges Palmöl. Was fast der Pointe eines schlechten Witzes gleicht, ist leider die beinharte Realität. Die Megakonzerne, die durch ihre globalisierte Warenproduktion und den Preisdruck keinen geringen Anteil an der Klimaerwärmung und ausbeuterischen Strukturen tragen, machen weiter wie bisher. Nur, dass sie dies jetzt mit einem grünen Image tun. Und die Moral von der Geschichte: Nicht alles was grün ist, ist auch gut.

QUELLEN:

[1]

[i]           Unilever: Unsere Strategie für ein nachhaltiges Geschäft. In: https://www.unilever.de/nachhaltigkeit/unsere-strategie-fuer-ein-nachhaltiges-geschaeft/ [Zugriff: 25.03.17]

[ii]           Unilever: Unsere Marken. In: https://www.unilever.de/marken/?page=1 [Zugriff: 27.03.17]

[iii]          Statista: Statistiken und Daten zu Unilever. In:  https://de.statista.com/themen/1647/unilever/ [Zugriff: 22.04.17]

[iv]          Unilever: Über unsere Strategie. In: https://www.unilever.de/nachhaltigkeit/unsere-strategie-fuer-ein-nachhaltiges-geschaeft/ueber-unsere-strategie/ [Zugriff: 25.03.17]

[v]          Schadwinkel, Alina (2015): Die Welt braucht neues Öl. In: http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-11/palmoel-pflanzenoel-indonesien-brandrodung [Zugriff: 25.03.17]

[vi]          Shiva, Vandana (1993): Monocultures of the Mind. Perspectives on Biodiversity and Biotechnology. London and New York: Zed Books Ltd.

[vii]        http://wrm.org.uy/actions-and-campaigns/support-the-letter-urging-fao-to-revise-its-forest-definition/

[viii]        Ristau, Oliver (2014): Finger weg vom Palmöl. In: http://www.taz.de/!137925/

[ix]          TOPAS GmbH (2012): Schmutziges Öl: Die Palmöl-Recherche. In: http://www.wheaty.com/de/aktuell/statements/schmutziges-ol/ [Zugriff: 30.03.2017]

[x]          Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung, Vereinte Evangelische Mission (2014): Nachhaltiges Palmöl – Anspruch oder Wirklichkeit? In: https://www.suedwind-institut.de/fileadmin/…/2014-07_Nachhaltiges_Palmoel.pdf [Zugriff: 24.03.2017]

[xi]          GreenPalm. In: http://greenpalm.org/ [Zugriff: 4.04.2017]

Foto: Pixabay

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Ein Kommentar zu „Unilever rettet die Welt

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  1. Vielen Dank für den informativen Artikel. Er zeigt wieder mal, dass große Konzerne letzlich doch nur wirtschaftlich orientiert agieren. Der Möglichkeit, dieses z.B. durch das Deckmäntelchen zweifelhafter Siegel zu verschleiern muss entschieden entgegen getreten werden.

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