„Lecker, mit Liebe hausgemacht und rein pflanzlich“: Interview mit dem SOL – Konstanz

Ein Interview der Veganen Hochschulgruppe Konstanz mit dem Café und Restaurant „SOL“ in Konstanz.

Vegane Hochschulgruppe Konstanz (VHG): Was war die Inspiration ein veganes Restaurant zu eröffnen?

SOL: Inspiriert waren wir vom Leben in Großstädten und der Selbstverständlichkeit dort gut vegan zu essen. Das haben wir in unserer ersten Zeit in Konstanz sehr vermisst. Daraus resultierte dann einfach die Idee einen Laden zu eröffnen, in den wir selber gerne gehen würden.

VHG: Wie war/ ist es als erstes einziges fast rein veganes Restaurant in einer Stadt aufzutreten? Wie ist die Marketing-Strategie?

SOL: Vom Konzept her war es uns zunächst vor allem wichtig, gutes Essen für möglichst viele Menschen anzubieten, d.h. auch für diejenigen mit einem „kleineren Geldbeutel“ – daher haben wir uns für Selbstbedienung entschieden. Da es für uns quasi selbstverständlich ist vegan zu kochen, war das für uns von Anfang an eher selbstverständlich als außergewöhnlich. Natürlich ist das ein Alleinstellungsmerkmal – unser Fokus lag und liegt aber vor allem darauf lecker und gut zu kochen. Dabei ist die persönliche Herausforderung zu zeigen, dass vegane Küche keineswegs langweilig ist und etwa nur aus Knäckebrot besteht. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist bei uns daher alles frisch und hausgemacht, auf die Zutatenauswahl legen wir sehr großen Wert. Das beste Marketing besteht unserer Erfahrung nach daher auch einfach aus den Menschen, die sich bei uns wohlfühlen und gut essen.

Darüber hinaus, haben wir uns von Anfang an dafür entschieden, durch unser Konzept durchaus zum Nachdenken anzuregen und zu Veränderung beizutragen – grundsätzlich ist uns dabei eine klare Haltung wichtig, es entspricht uns jedoch nicht, Menschen „bekehren“ zu wollen. Somit werden wir mit Sicherheit als veganes Restaurant wahrgenommen, jedoch scheint es nicht so zu sein, dass für viele Menschen dadurch „die Hürde“ zu hoch ist uns zu besuchen. Darüber freuen wir uns insbesondere, weil wir uns auch bewusst dafür entschieden haben in Petershausen und nicht in der Innenstadt zu eröffnen, um somit auch einen Treffpunkt für sehr unterschiedliche Menschen sein zu können, die in unmittelbarer Nähe wohnen.
Insgesamt kann man nach den ersten drei Jahren sagen, dass es großen Spaß macht mit einem nicht ganz gewöhnlichen Konzept täglich sehr unterschiedliche und spannende Gäste zu bekochen.

Mitarbeiterin im Sol beim Kochen

VHG: Wie sorgt ihr außer durch rein pflanzliche Gerichte für mehr Nachhaltigkeit?

SOL: Natürlich ist uns neben der veganen Ernährung auch regionaler Einkauf und die Unterstützung von lokalen Produkten wichtig – wie zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit der Biobäckerei Reginbrot oder dem Hofgut Storzeln.  Aus einem Verständnis von Nachhaltigkeit heraus, das den Fokus ebenfalls auf soziale Aspekte legt, ist es uns darüber hinaus besonders wichtig, mit dem SOL einen Ort zu schaffen, an dem wir nicht nur selbst gerne essen sondern an dem wir auch als Angestellte selbst gerne arbeiten würden.

VHG: Wie werden Rezepte und Gerichte entwickelt?

SOL: Die Speisekarte bestand von Anfang aus Gerichten, die bei uns zu Hause seit Jahren auf dem Speiseplan standen. Seither haben wir vor allem Adaptionen bekannter Gerichte entwickelt, wie z.B. Spaghetti Carbonara, die jeder oder jede zunächst als klassisches Fleischgericht versteht. Ergänzend dazu bieten uns die Tages- und Monatsgerichte ein spannendes Experimentierfeld. Hier lassen wir uns durch Rezepte inspirieren, die meisten neuen Gerichte entwickeln sich aber aus einer sich mittlerweile sehr gut ergänzenden Teamarbeit.

Kunden des Sol - Konstanz

VHG: Wie ist die Resonanz einerseits von Vegetariern/Veganern, andererseits von Fleischessern? 

SOL: Von VeganerInnen und VegetarierInnen ist die Resonanz prinzipiell sehr positiv – oft kommt uns Freude entgegen, weil sie einfach sicher sein können, dass sie ernst genommen werden und nichts Tierisches mit im Essen landet. Natürlich gibt es auch hin und wieder den Wunsch die Kuhmilch wegzulassen, den wir natürlich sehr gut nachvollziehen können, da wir dieser Frage ja selbst durchaus ambivalent gegenüber stehen. Unsere tägliche Erfahrung zeigt jedoch, dass die Kuhmilch für viele Menschen nach wie vor ein absolutes „must“ ist und wir mit dieser Option vielen Menschen die „Tür öffnen“. So lange das so ist, werden wir mit dieser „Inkonsequenz“ leben, würden uns aber freuen, wenn wir auch darauf irgendwann verzichten können.

Beim Essen sind die Reaktionen im Vergleich dazu erstaunlicherweise entspannt: Viele Nicht-Veganer bzw. Menschen, die sich bislang nicht mit veganem Essen auseinandergesetzt haben, zählen zu unseren Stammgästen. Häufig passiert es, dass Gäste bei uns völlig erstaunt an den Tresen kommen, wenn Ihnen (oft erst nach einigen Besuchen) auffällt, dass Sie vegan gegessen haben. Es ist schön, wenn sich dadurch aus einer eher skeptischen Haltung Neugier und Interesse entwickelt und sich dann zum Beispiel auch überzeugte Kuhmilch-Trinker nach und nach doch auf Alternativen einlassen.

Die Antworten stammen von Tiberius Triff vom SOL Konstanz. Vielen herzlichen Dank für das Interview!

Weitere Informationen:

Vegane Hochschulgruppe Konstanz

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SOL – Konstanz

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