Unterwegs abseits der gewöhnlichen Interrail-Routen

„Paris is always a good idea“(Audrey H.) –  eine Freundin war ganz entsetzt, dass ich ursprünglich nur in Paris umsteigen wollte. So änderte ich meine Reisepläne und blieb für eine Nacht bei einer alten Schulfreundin in Paris. Morgens um halb 6 bin ich von Bensheim Richtung Paris gefahren, damit ich möglichst den ganzen Tag nutzen kann. Somit war ich bereits morgens um 10  Uhr in Paris und bin mit meinem Gepäck durch die Stadt gelaufen. Zunächst bin ich durch kleinere Gassen geschlendert und habe die schönen Häuser bewundert. Selbstverständlich musste ich mir wenn ich schon einmal in Paris bin auch die klassischen Sehenswürdigkeiten anschauen. So machte ich mich auf, um das Louvre anzusteuern. Ich war wohl zu einer „Rush hour“ vor Ort, denn viele ließen sich vor dem Louvre ablichten -man probierte die Spitze des Gebäudes auf dem Foto in den Händen zu halten, sprang von Steinblöcken und posierte elegant davor.

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Ich habe mir das Spektakel der posierenden Touristen angeschaut und bin weiter Richtung Garten der Tuilerien gelaufen, um dort eine Pause zu machen. Rund um den Brunnen und im Park standen Stühle, die man ganz nach eigenem Belieben verrücken konnte, um separat oder in Gruppen zusammen zu sitzen. Um die Mittagszeit haben dort viele Pariser sowie Touristen pausiert.

Danach bin ich zum Eiffelturm gelaufen und habe mich zu den picknickenden Personen auf die Wiese gesellt. Einige hatten „typisch französisch“ Baguette und Käse dabei, andere hatten vorbereitete Speisen in Boxen dabei und andere kauften beim Straßenverkäufer Chips.

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Nun habe ich mich aufgemacht, um zu dem Zimmer meiner Schulfreundin zu laufen, welches in der Nähe des Arc de Triomphe ist. So konnte ich mein Gepäck abladen.

Mir hat in Paris besonders gut gefallen, dass es viele öffentliche Plätze und Parks gibt, in denen man zu jeder Tageszeit viele Personen antrifft.

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Nach einem Spaziergang Richtung Notre Dame und an der Seine entlang waren wir abends typisch französisch Galettes essen: wir waren gerade dabei uns gegenüber zu setzen als der Kellner uns anwies, uns nebeneinander zu setzen (wohl damit jeder mitbekommt, was auf der Straße geschieht). Meine alte Schulfreundin wohnt momentan in einem alten Dienstmädchenzimmer mit Dusche und Küche mitten im Zimmer – ganz klassisch Paris. So sind wir über den „Dienstmädchenaufzug“ aus dem Hinterhof  in die oberste Etage gefahren. Am nächsten Mittag ging es für mich nach einem Pain au chocolat zum Frühstück Richtung Küste Spaniens.

Auf der Zugfahrt Richtung Hendaye habe ich zu zunächst einmal mein französisches Picknick ausgepackt.

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Während der Fahrt saß ich mit einer Gruppe von 4 um die 60-jährigen Touristen zusammen. Momentan reisen sie gemeinsam mit dem Zug durch Europa, sonst wohnen sie in Wisconsin und stammen ursprünglich aus El Salvador und Honduras. Wir haben uns sehr gut über Mittelamerika ausgetauscht und ich schwelgte in Erinnerung an meine Reise nach dem Abitur als ich einige Länder Mittelamerikas bereist hatte. Während sie mir von den Zuständen in ihrem Heimatland berichteten, passierten wir mit dem Zug französische Pinienwälder und Maisfelder, die die Zugstrecke säumten. Nach der herzlichen Begegnung gaben sie mir noch vertraulich ihre Adressen, damit wir auf jeden Fall in Kontakt bleiben können. Als sich unsere Wege in Hendaye trennten, bin ich in einen kleineren Euskotren umgestiegen, um zu meinem Ziel St. Sebastian zu gelangen.

Dort habe ich abends noch lange das Blitzen und das Toben der Wellen über dem Meer beobachtet. Die tosende Begrüßung in St. Sebastián hatte eine ganz besondere Atmosphäre als ich es von dem Surfer- und Gourmetort erwartet hätte.

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In St. Sebastián kann man an allen Ecken Häuser im Jugendstil bewundern.

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Außerdem ist es „Gang-und-gebe“ abends von Pintxo-Bar zu Pintxo-Bar zu ziehen. Die meisten Bars präsentieren ihre kleinen Häppchen auf der Theke, andere Bars schreiben ihre Spezialitäten auf die schwarzen Bretter hinter der Theke. Laut unseres Guides sind Pintxos insofern von Tapas zu unterscheiden, dass man normalerweise versucht ein normales Gericht in einer kleinen Portion zu kreieren und, dass darin die Schwierigkeit bestünde. St. Sebastian ist bekannt für die exzellente Küche, Gourmet und ausgewählte Kreise, die sich regelmäßig in Räumen ausgestattet mit Großküchen zum Kochen und Genießen treffen. So bin ich abends mit einer Gruppe aus dem Hostel noch ein paar Pintxos essen gegangen.

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Die Pintxo-Bars sind häufig sehr klein, sodass man sich häufig einen Pintxo und ein Getränk bestellt und entweder draußen für einen Moment verweilt oder direkt weiterzieht, um das nächste Pintxo zu probieren. Pimientos de patrones, Risotto und viele weitere Spezialitäten gab es bei den Pintxo-Bars zu probieren. In den unterschiedlichen Stadtvierteln ist an verschiedenen Tagen in der Woche „Pintxo-pote“, das bedeutet, dass man zu jedem Pintxo ein Getränk erhält bzw. zu jedem Getränk ein Pintxo.

Bei der „Go-Local“- Führung am nächsten Morgen hat uns der Guide einige Einblicke in die baskische Kultur sowie die Geschichte St. Sebastians gegeben, wie zum Beispiel, dass es zu Festlichkeiten auf dem Hauptplatz an den Häusern über den Balkontüren rundherum Nummern gibt, die wie Sitzplatz-Nummerierungen gelten bzw. früher galten – heute dürfen die Bewohner selbst die Vorstellung auf ihrem Balkon genießen, aber früher wurden die Balkone quasi von den Veranstaltern „vermietet“. Außerdem erzählte er, dass die Basken ein eher verschlosseneres Volk seien, aber wenn man einmal einen guten baskischen Freund hat, sind diese stets treu und zugewandt. In den Straßen existieren jeweils 2 Schilder, eines auf baskisch und eines auf spanisch.

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An zweiten Tag in St. Sebastian habe ich mit dem Bus einen Ausflug in einen anderen Küstenort namens Zumaia gemacht und bin von dort aus entlang der Küste die „Flysch-Route“ nach Deba gelaufen.

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Bei der Wanderung bin ich immer wieder staunend stehen geblieben und habe mich am Kontrast des Grün der Küste und des blauen Meeres nicht satt sehen können.

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Da ich keine „typische“ Route wählen wollte, sondern möglichst viel Natur und Kultur mitbekommen wollte, habe ich mich an einem Nachmittag in einem Cafe eingenistet, um die weitere Reiseplanung vorzunehmen und ein typisches „pastel vasco“ (Mürbeteig mit Crema) zu probieren. Ich war viel am hin und her überlegen, wie ich das am besten mit dem Interrail-Ticket vereinbaren kann, um zu den Orten zu gelangen, die ich besuchen wollte. An der Küste Nordspaniens gibt es einen alternativen Zuganbieter „Euskotren“ und viele Busverbindungen, die ebenfalls als direktere Alternative in Frage kommen, da die Interrail-Verbindungen eher wieder ins Inland fahren und ich so einen großen Umweg in Kauf hätte nehmen müssen. So habe ich mich für den nächsten Teil der Reise für eine Mischung aus Mitfahrgelegenheit und Bus entschieden, um in abgelegenere Teile zu gelangen.

Von St. Sebastian bin ich daher mit einer netten Mitfahrgelegenheit nach Llanes gefahren, um von dort nach einer kurzen Pause am Strand mit Bussen in einen kleinen Ort in der Nähe des Nationalparks „Picos de Europa“ zu gelangen.

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Da die Busse so selten fahren, hatte ich genügend Zeit zwischendrin durch die kleineren Orte zu laufen und mich nach Spezialitäten umzusehen. Asturien ist bekannt für den „Sidra“. Als ich mir das Glas im Restaurant nachschenken wollte, kam der Kellner und hat mich aufgeklärt, dass man das nur mit der gewissen Technik machen dürfe, damit sich der volle Geschmack entfalte. Die Kellner heben die Flasche mit ausgestrecktem Arm weit über ihren Kopf und zielen dann auf das Glas in der anderen Hand und schenken dabei immer nur einen Schluck ein, den man am besten direkt genießt, um den vollen Apfel-Genuss zu erleben. Als ich den Kellner fragte, wie lange er dafür geübt habe, meinte er nur: „Jahre“.

Bereits auf der Busfahrt bekam ich einen Eindruck davon, was mich die nächsten Tage in den Bergen des Nationalparks erwarten würde.

In Carrena de cabrales, dem kleinen Ort in den Picos de Europa, habe ich in dem Hosteleine Kanadierin getroffen, mit der ich einige Wanderungen unternommen habe.

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Mit einem spanischen Pärchen sind wir zu den Lagos di Covadogna gefahren, um dort einen „Sonntagsausflug“ vergleichbar mit dem der Spanier zu machen und um die Seen zu spazieren. Gegen Nachmittag haben wir dann ganz nach spanischer Art um 15:30 zu Mittag gegessen und den „Queso de cabrales“ probiert, der für die Region bekannt ist.

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Beim harmonischen Klang der Kuhglocken, welches zwischen den Bergen wieder gehallt ist, könnte man meinen man sei in den Schweizer Bergen unterwegs.

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Am darauffolgenden Tag bin ich die „Ruta de Cares“ zu einer Schlucht gelaufen. Ich kann nur über die Vielfältigkeit der Natur des Nationalparks staunen.

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Nach den ruhigen Tagen im Nationalpark war ich gewappnet, um den ganzen Tag in Bus und Bahn in Richtung Galizien – A Coruña zu verbringen. Auf der Zugfahrt habe ich zwei Mädchen getroffen, die mit dem Interrail-Ticket jeden Tag von Stadt zu Stadt gezogen sind und auf diese Weise viele Eindrücke gesammelt hatten. Da war ich froh, dass ich das im Vergleich wesentlich entspannter angegangen bin und langsamer unterwegs war. Die Tage in A Coruña habe ich bei einem Couchsurfer verbracht, der mich noch näher an die spanische Kultur und vor allem an die galizische Kultur gewöhnen sollte. Die Einführung in die spanische Kultur begann gleich mit dem Abendessen, was wir um 23 Uhr zu uns genommen haben. Am nächsten Tag hat er mir einige Ecken der Stadt gezeigt und um die Mittagszeit haben wir in einer der Bars Tapas gegessen. A Coruña ist eine größere Stadt in Galizien, die per se meiner Meinung nach kein Muss auf der Route gewesen wäre, aber durch die Einblicke in die Kultur durch meinen Couchsurfer und einen Ausflug in die Natur Galiziens bin ich überzeugt, dass ich auf jeden Fall wieder nach Nordspanien und vor allem nach Galizien zurückkehren werde.

Abends konnte ich an der Westküste unterhalb des Torre Hercules den Sonnenuntergang sehen.

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Eine der typischsten Speisen Galiziens ist „Pulpo“, den wir selbstverständlich auch probiert haben.

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An einem Nachmittag sind wir gemeinsam mit dem Auto eine knappe halbe Stunde in den Parque Natural Fragas do Eume gefahren und waren dort im Wald entlang des kristallklaren Flusses spazieren. Mein Cousin meinte vor der Abreise noch, dass ich die moosigen Wälder Deutschlands vermissen werde, aber die konnte ich in Nordspanien noch finden.

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Außerdem gibt es in Galizien eine keltisch angehauchte Kultur – Irland und Galizien teilen Traditionen der Folkmusik und Tänze sowie der Bierbrauerei, Ähnlichkeiten in der Natur. So sind wir an einem Abend in eine Brauerei gegangen, um das cerveza artesanal zu probieren – ich habe mich gefühlt wie in einem kleinen Münchner Hofbräuhaus. Mein Couchsurfer hat sein Bestes gegeben, um mir die Kultur in Nordspanien schmackhaft zu machen und hat auch immer wieder die Unterschiede zwischen Nord- und Südspanien betont. Ich bin gespannt wenn ich in Granada ankomme, welche Unterschiede mir direkt ins Auge fallen werden.

Von A Coruña aus bin ich zu meinem letzten Stop nach Santiago gefahren, damit ich innerhalb eines Tages von Nordspanien in den Süden Spaniens nach Granada fahren kann. Ich glaube Santiago ist ein gutes letztes Ziel, denn ist es für viele auch das Ende des Camino de Santiago. Im Hostel habe ich viele Pilger getroffen, die sehr begeistert von den Begegnungen und Erfahrungen auf dem Camino de Santiago waren. Als ich durch die Gassen in Santiago schlenderte und die Souvernirläden hinter mir ließ, bin ich auf eine kleine charmante Buchhandlung getroffen, in der ich mir ganz ambitioniert mein erstes spanisches Buch gekauft habe.

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Ich bin sehr froh, dass ich den Weg ins Auslandssemester nach Granada auf diese Weise beschritten habe. So hatte ich die Möglichkeit langsam im Gastland anzukommen und bereits Einblicke in die Kultur und andere Teile des Landes zu gewinnen.

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